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Ambient Assisted Living: Gepflegt zu Hause bleiben

Bis 2030 werden in Deutschland mehr als 3,4 Millionen Menschen Pflegebedarf haben: Der demographische Wandel, das Streben nach Autarkie und der politische Wille zu einem personenzentrierten Sozialwesen sind nur einige der Herausforderungen und Entwicklungen, denen wir uns stellen müssen - sofern es nicht schon fünf nach zwölf ist für einige Handlungsmaßnahmen. Demgegenüber sind wir mit einem Mangel an qualifizierten Pflegekräften, alters-, assistenz- und pflegetauglichen Sozialräumen konfrontiert. Es ist mehr als dringlich Zeit, über innovative Pflegekonzepte nachzudenken, mit denen sich eine selbstbestimmte Teilhabe, Gesundheit und Pflege, aber auch häusliche Geborgenheit unter einen Hut bringen lassen.

In den letzten Jahren beförderte der Gesetzgeber mit vielschichtigen Maßnahmen Pflegeleistungen im ambulanten Bereich. Zudem wurde die sozial- und arbeitnehmerrechtliche Absicherung der Angehörigen ausgebaut. Damit verfolgt das deutsche Pflegesystem verstärkt die sozialpolitische Richtung „ambulant vor stationär“, durch die einerseits eine Kostenreduktion gegenüber stationären Modellen erreicht werden soll, andererseits das nach UN-Behindertenrechtskonvention verbriefte Grundrecht auf unabhängige Lebensführung und selbstbestimmte Wahl der Wohnform umgesetzt wird. Die freie Wahl der Leistungen entsprechend individueller Lebensrealitäten setzt Pflegeanbieter am Markt endlich einem gewissen Innovationsdruck aus, wollen sie den Ansprüchen ihrer Klienten genügen, denn der Pflegemarkt von heute erfordert mehr als nur die Sicherstellung der Grundversorgung. Der Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe und eine moderne Kultur des Miteinander, wie sie z. B. in Senioren WGs oder Mehrgenerationenhäusern gelebt wird, konfrontiert Pflegedienstleister mit organisatorischen Anforderungen, die im Sinne der Kostendeckung nur technikgestützt bewältigt werden können.

Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben (AAL) können dem Einzelnen kosteneffizient einen höheren Grad an Unabhängigkeit verschaffen. Unterschieden werden Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände des IoT (Internet of Things), die Pflege- und Sozialraum relevante Informationen viel breiter für den Kunden selbst nutzbar machen, ebenso auch als mobile Softwarelösungen zur Unterstützung der Pflegeplanung und Assistenz ambulanter Dienstleister.

AKQUINET entwickelt Branchenlösungen für beide Seiten der Medaille: Unter dem Projektnamen „Drink Smart“ forschen wir z. B. mit wissenschaftlichen Universitätspartnern und Pflegeanbietern aus der Praxis an einem intelligenten Senor gestützten Trinkbecher für Personen mit Pflege- und Assistenzbedarf. Der Einsatz ist u.a. für mobile Pflegedienste gedacht, denn das Trinkverhalten dehydrierungsgefährdeter Personen, wie z. B. demenzkranker Menschen, kann damit gemeinsam unterstützt, protokolliert und organisiert werden. Das erhöht die Sicherheit, spart Zeit und die Anschaffungskosten des Bechers sind gering. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es künftig sein wird, dass mobile Pflegedienstleister eine integrierende Schnittstelle für Smart Assistance Tools bieten. Damit ist dem Einsatz des Drink Smart Bechers aber noch lange kein Limit gesetzt. Auch für den sportambitionierten Einsatz kann dieser verwendet werden. Weitere Ideen und Einsatzszenarien im klinischen Bereich werden gerade bzgl. einer wissenschaftlichen klinischen Machbarkeitsstudie evaluiert. Für unsere Systemlandschaften wie CARE VIVA ambulant-stationär-mobil betreiben wir dabei laufend technologische Grundlagenforschungen im Bereich der digitalen Pflege, Assistenz- und Gesundheitsunterstützung.

Einer der Kernanwendungsbereiche des AAL ist das Smart Home, das eine weitaus eigenständigere Haushaltsführung ermöglicht und u.U. gewisse Pflege- und Assistenzleistungen sogar ersetzen kann, wie zum Beispiel: Aufforderung zur Medikamenteneinnahme, Heizsensoren, die die Zimmertemperatur automatisch anpassen, der intelligente Fußboden, der Stürze z. B. sofort an Pflegezentralen weiterkommuniziert oder Alarme, wenn das Bett zu lange nicht benützt wird - um nur einige Anwendungsbeispiele zu nennen. All das sind Abläufe, die künftig mit einem modernen Pflegemanagementsystem angeboten werden können, um Angehörige, Pflegedienste sowie Kunden zu unterstützen.

Die Sozialwirtschaft und das Gesundheitswesen werden in den nächsten Jahren gravierende Veränderungen erleben. Für die Pflegedienstleister am Markt birgt dies einen starken Investitionsdruck. Die Lebenswelten und -gewohnheiten der Kunden befinden sich aktuell immer schneller im Umbruch und wer jetzt bereits die digitale Infrastruktur für seine Pflege- und Assistenzangebote schafft, wird von diesem Wandel profitieren. Wir erleben die Transformation von der Pflegeassistenz zur Lebensassistenz.

Statement von Dr. Martin Weiß

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Altersgerechte Assistenzsysteme: Gepflegt zu Hause bleiben

Bis 2030 werden in Deutschland mehr als 3,4 Millionen Menschen Pflegebedarf haben.

Es ist mehr als dringlich Zeit, über innovative Pflegekonzepte nachzudenken, mit denen sich eine selbstbestimmte Teilhabe, Gesundheit und Pflege, aber auch häusliche Geborgenheit unter einen Hut bringen lassen.

Der demographische Wandel, das Streben nach Autarkie und der politische Wille zu einem personenzentrierten Sozialwesen sind nur einige der Herausforderungen und Entwicklungen, denen wir uns stellen müssen - sofern es nicht schon fünf nach zwölf ist für einige Handlungsmaßnahmen. Demgegenüber sind wir mit einem Mangel an qualifizierten Pflegekräften, alters-, assistenz- und pflegetauglichen Sozialräumen konfrontiert.

Lesen Sie hier ein Statement zum Thema AAL, von Dr. Martin Weiß, Geschäftsführer bei AKQUINET und zuständig für den Bereich der Sozialwirtschaft.

Statement "Ambient Assisted Living: Gepflegt zuhause bleiben."

Jetzt umdenken!

Die volle Teilhabe an der Gesellschaft und der Schutz von Menschen mit Behinderungen vor struktureller Benachteiligung sind die beiden stärksten Zielsetzungen der UN-Behindertenrechtskonvention. Neben dem Behindertengleichstellungsgesetz und dem nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention trat das Bundesteilhabegesetz (BTHG) im Juli 2017 als dritte Maßnahme für die Verrechtlichung des Inklusionsanspruchs in Kraft. Im Zentrum der Novellierung stand 2017 die Eingliederungshilfe. Sie soll Menschen mit Behinderungen zu einem weitgehend selbstbestimmten Leben befähigen und unabhängig von Pflegeleistungen machen.

Welchen Beitrag die Pflegewirtschaft dazu selbst leisten kann, lesen Sie im Beitrag "Jetzt umdenken!" von Samuel Breisacher vom CJD und Martin Weiß von AKQUINET aus der aktuellen Ausgabe vom sgp REPORT.

Generationswandel : Die Pflege der Zukunft ist mobil und technologiegestützt

Glücklicherweise erreichen immer mehr Menschen in Deutschland ein hohes Alter. Dabei sind sie meist gesünder und eigenständiger als noch vor zwanzig Jahren. Sie nehmen gerne aktiv teil an der sich wandelnden Gesellschaft, benutzen eBikes, Tablets, Smartphones und schreiben ihren Enkeln WhatsApp-Nachrichten. Immer mehr Menschen möchten gerne in ihren eigenen vier Wänden alt werden. Sie sind daher interessiert an technischer Unterstützung, die ihnen ihre Eigenständigkeit erhält. Daher erhält die ambulante Versorgung, gestützt von Assistenzsystemen, nicht nur eine zentrale Bedeutung für die Ausrichtung der Pflege, sondern wird alle Marktteilnehmer - insbesondere in der fortschreitenden Privatisierung und Ambulantisierung - signifikant verändern. Diese Entwicklung ist sehr deutlich und wird künftig zunehmen.

Gesamtes Statement von Dr. Martin Weiß lesen.

„Herzenslösungen“ gesucht

Die Forschung in der Regenerativen Medizin profitiert unter anderem vom größten urbanen Innovation Hub des Planeten. Ein ganzes Herz in einer Geschenkschachtel werden Sie sobald nicht kaufen können, doch die Reparatur von geschädigten Organen soll in naher Zukunft Realität sein.

Ein Gastbeitrag von Gunnar Göpel, Redakteur „Gelber Dienst“ im VINCENTZ NETWORK.

Smart Living - zuhause und betreut sein

Sozialraum, Gesundheits- und Sozialwesen treffen auf Digitalisierung. Dabei dürfen die Bedürfnisse des Menschen im Alter nicht auf der Strecke bleiben. Wie lassen sich hohes Alter und der Wunsch auf ein möglichst selbstständiges Leben kombinieren?

Statement von Dr. Martin Weiß, Experte für die Sozialwirtschaft bei AKQUINET.

Führungskräfte der Sozialwirtschaft, macht Euch schlau!

Die Sozialwirtschaft ist in Sachen Digitalisierung anderen Branchen deutlich hinterher. Das zeigt der aktuelle „IT Report für die Sozialwirtschaft 2017“. Das Fazit der Autoren Prof. Kreidenweiss und Prof. Dr. Wolff: Obwohl die Komplexität der Einrichtungen und auch die IT-Durchdringung immer mehr zunehmen, stagniert die IT-Kostenquote, also die Ausgaben für IT gemessen an den Gesamtausgaben. Anstatt also mehr zu investieren, wird an diesem entscheidenden Punkt gespart.

Momentan kommen täglich innovative Ideen und Geschäftsmodelle zur Verbesserung von Pflege und Betreuung auf den Markt. Seien es spezielle Computerspiele für Bewohner eines Altersheims, Sensoren für ein sicheres Zuhause und intelligente Trinkbecher (welche wir als AKQUINET im Rahmen eines Forschungsprojektes im Bereich AAL mit entwickeln), Serviceroboter, digitale Begleiter für mobile Pflegedienste oder Tele-Sprechstunden. Alle Ansätze tragen dazu bei, die Kernprobleme der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft und des Mangels an Pflegepersonal zumindest abzudämpfen. Sie bieten die Chance, dass Klienten, Pflegende und Leistungsanbieter mit besserer Assistenz ein längeres eigenbestimmtes Leben aktiv führen können.

Statement von Dr. Martin Weiß weiterlesen.

Zentrales Einkaufsmanagement - Die Einsparpotenziale nutzen

Die Zentralisierung und durchgängige Digitalisierung des Einkaufsmanagements in sozialwirtschaftlichen Einrichtungen bietet enorme Chancen. Die Einsparungspotenziale können bei derartigen Projekten nach bisherigen Erfahrungen bei bis etwa 20 Prozent liegen, je nach Ausgangssituation.

Wie können nun soziale Einrichtungen und Soziale Dienste sowie Komplexträger ihr Einkaufsmanagement optimieren?

Lesen Sie den Fachbeitrag von Dr. Martin Weiß in der Novemberausgabe der CARE INVEST.


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